MARA

Sonntagsgedanken: Quadratisch, praktisch, gut – wenn glänzende Dinge doch nicht so goldig sind, wie sie scheinen.   

5. November 2017

Lange hab’ ich überlegt, ob ich diese Worte hier wirklich niederschreiben, oder ob ich es nicht doch einfach lassen sollte. Da mir das Thema aber schon lange im Kopf herumschwirrt und ich bei einigen Gesprächen mit anderen mitbekommen hab’, dass es nicht nur mich beschäftigt, hab’ ich mich schlussendlich dafür entschieden. Vorerst möchte ich betonen, dass es hier rein um meine Meinung geht, ich niemanden persönlich angreifen möchte und ich damit definitiv nicht sage, dass alles was ich mache richtig oder gut ist.
Aber nun zum eigentlichen Thema:

Keine App macht es uns so leicht, uns und unser Leben der breiten Masse zu präsentieren wie Instagram. Ganz nach dem Motto: quadratisch, praktisch, gut. Naja wie man will.

Quadratisch – waren die Bilder, die man in Instagram hochladen konnte, zumindest anfangs.
Praktisch – zugegeben ja: für neue Inspirationen, Ideen, Anregungen, ..
Gut – sogar perfekt, um sich täuschen zu lassen!

Warum um sich täuschen zu lassen?

Täglich sehe ich auf Instagram Bilder von perfekten (ok, wie definiert man perfekt?) Menschen und Leben, wohin das Auge nur reicht. Scheint fast so, als wäre mein Leben total langweilig.
Ich, 22, wohne noch zuhause, mach’ eine stinknormale Ausbildung, hab’ mehr Pickel als andere in der Pubertät, fahre „nur“ einen kleinen (aber sogar meinen eigenen :D) Suzuki Splash, verreise, wenn es gut geht einmal im Jahr und bin trotzdem zufrieden und glücklich damit. Obwohl ich oft dazu verleitet werde, mein offensichtliches 0-8-15 -Leben in Frage zu stellen.

Glücklicherweise kann ich aber von mir selbst behaupten, dass ich mittlerweile genug Selbstbewusstsein (oder sollte ich es Selbstliebe nennen) hab’, um mich von solchen Bildern nicht verunsichern oder gar runterziehen zu lassen. Und das heißt jetzt weder, dass ich selbstverliebt oder eingebildet bin, noch, dass ich nie an mir selbst zweifle. Viel mehr heißt es einfach, dass ich es geschafft hab’, mich von den „ich-muss-auch-so-sein“ und „ich-muss-das-auch-haben“-Gedanken zu distanzieren.

Natürlich zeigt man sich auf sozialen Medien von seiner besten Seite und ich würde lügen, wenn ich euch erzählen würde, dass ich nicht auch versuche auf meinem Account möglichst schöne (schön liegt wohl auch wieder im Auge des Betrachters) Fotos zu posten.

Besonders skeptisch bin ich jedoch gegenüber Accounts, die ein Bild vermitteln, welches meiner Meinung nach nichts auf sozialen Medien verloren hat und teilweise sogar gefährlich ist. Ja, selbst Bilder können in gewisser Weise gefährlich sein.
Als Beispiel (ich betone noch einmal, dass ich hier von keiner/m spezifischen Person/Account spreche):
Wenn sich jemand gerne auf Instagram präsentiert, sei es im Bikini, knapper Sportbekleidung oder ähnlichem – ist es seine Sache und soll er das machen, wenn er es möchte bzw. sich dabei wohl fühlt.
Wenn diese Person aber offensichtlich gesundheitlich angeschlagen ist und (ungewollt) andere dazu verleitet ebenfalls in ein solches Problem zu schlittern, so finde ich wird der Grundgedanke von Instagram missbraucht.

Da ich kein Arzt bin, keine Diagnose stellen kann/darf und es mir eigentlich auch nicht zusteht darüber zu urteilen, werde ich darauf nicht genauer eingehen.

Jacques Bénigne Bossuet hat einmal gesagt:

„Gute Grundsätze, zum Extrem geführt, verderben alles.“

Genau dieses Zitat hab’ ich immer im Hinterkopf und ich versuche, es nie „aus den Augen zu verlieren“.

Egal in welche Richtung – jedes Extrem birgt irgendwo und irgendwie Gefahr.
Ich denke, noch nie war es so leicht, verschiedenste, teils sehr bedenkliche Bilder/Lebensstile/Hobbies/Weltanschauungen als erstrebenswerte „Goals“ zu vermarkten, wie in den sozialen Medien.
Die Veröffentlichung von zweifelhaften Posts und Beiträgen, bei denen es besser wäre, sie würden die doch so tolle Instagram-Welt nicht schmücken, werden wir als Betrachter nie beeinflussen können.
Was wir aber sehr wohl beeinflussen können, ist die Art und Weise, wie wir damit umgehen. Was wir darüber denken, und wie bzw. ob wir uns davon manipulieren oder lenken lassen.

Darum kann ich euch nur raten: macht euch immer ein eigenes Bild, arbeitet an aber nicht gegen euch, versucht euren eigenen Stil zu finden, sucht euch echte, realistische Ziele und Vorbilder, eifert nicht anderen nach, deren Voraussetzungen und Leben(sumstände) ihr nicht kennt und erinnert euch hin und wieder mal daran, dass die soziale Welt nicht die Realität zeigt.

Denn: Nicht alles was glänzt ist Gold.
Und nicht alles was im Internet als perfekt dargestellt wird, ist es auch.

Neben Schummelhilfen wie Photoshop und diversen kostenlosen Apps darf man nie vergessen, dass uns Instagram einen kleinen sichtbaren Ausschnitt aus einer großen verborgenen Welt zeigt.
Diese EINE Momentaufnahme, die uns auf dem Smartphone entgegenleuchtet, kann bis ins kleinste Detail inszeniert oder vielleicht einfach nur spontan entstanden sein.
Wie und was wirklich dahinter steckt kann sich der Betrachter selbst zusammenreimen.

In diesem Sinne: lasst euch nicht alles verkaufen, hinterfragt Dinge und vor allem: seid dankbar für euer Leben, schätzt eure Eigenheiten, die euch besonders machen, vergleicht euch nicht ständig mit anderen und vergesst nie: es nicht immer alles, wie es auf den ersten (und manchmal auch einzigen) Blick scheint!

mara.

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